Lichtenberg

„Wie geht’s“, sagte ein Blinder zu einem Lahmen. „Wie Sie sehen“, antwortete der Lahme.

Bei vielen Menschen ist das Versemachen eine Entwicklungskrankheit des menschlichen Geistes.

Belehrung findet man öfter in der Welt als Trost.

Dass der Mensch das edelste Geschöpf sei, lässt sich auch schon daraus abnehmen, dass ihm noch kein anderes Geschöpf widersprochen hat.

Dass in den Kirchen gepredigt wird, macht deswegen die Blitzableiter auf ihnen nicht unnötig.

Der liebe Gott muss uns doch recht lieb haben, dass er immer in so schlechtem Wetter zu uns kommt.

Der Mann hatte so viel Verstand, dass er fast zu nichts mehr in der Welt zu gebrauchen war.

Der Mensch denkt Wunder, wer er wär, wenn er die Milbe einen Elefanten und die Sonnen einen Funken nennt.

Der Mensch ist verloren, der sich früh für ein Genie hält.

Der Mensch kommt unter allen Tieren der Welt den Affen am nächsten.

Die Attraktion scheint bei der leblosen Materie das zu sein, was die Selbstliebe bei der lebendigen ist.

Die Fliege, die nicht geklappt sein will, setzt sich am Sichersten auf die Klappe selbst.

Die kleinsten Unteroffiziere sind die stolzesten.

Die Leute, die niemals Zeit haben, tun am wenigsten.

Die unterhaltendste Fläche der Erde für uns ist die vom menschlichen Gesicht.

Ein Buch ist ein Spiegel: Wenn ein Affe hineinsieht, so kann kein Apostel herausgucken.

Es gibt Leute, die glauben, alles wäre vernünftig, was man mit einem ernsthaften Gesicht tut.

Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemand den Bart zu sengen.

Es ist mit dem Witz wie mit der Musik, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man.

Es regnete so stark, dass alle Schweine rein und alle Menschen dreckig wurden.

Gerade das Gegenteil tun, heißt auch nachahmen.

Heftigen Ehrgeiz und Misstrauen habe ich noch allemal beisammen gesehen.

Heutzutage machen drei Pointen und eine Lüge einen Schriftsteller.

Ich fürchte, unsere allzu sorgfältige Erziehung liefert uns Zwergobst.

Keine Erfindung ist wohl dem Menschen leichter geworden als die eines Himmels.

Kluge Leute glauben zu machen, man sei, was man nicht ist, ist in den meisten Fällen schwerer, als wirklich zu werden, was man scheinen will.

Lass Dich nicht anstecken, gib keines anderen Meinung, ehe Du sie Dir anpassend gefunden, für Deine aus; meine lieber selbst.

Man muss etwas Neues machen, um etwas Neues zu sehen.

Man will wissen, dass im ganzen Lande seit 500 Jahren niemand vor Freuden gestorben wäre.

Nichts kann mehr zu einer Seelenruhe beitragen, als wenn man gar keine Meinung hat.

Ordnung führet zu allen Tugenden! Aber was führet zur Ordnung?

So sagt man, jemand bekleide ein Amt, wenn er von dem Amt bekleidet wird.

Steckenpferde dienen nicht zum Pflügen.

Vom Wahrsagen lässt sich’s wohl leben in der Welt, aber nicht vom Wahrheit–Sagen.

Von allen Mordtaten sind nur diejenigen aufgekommen, von denen man etwas weiß.

Wenn die Menschen plötzlich tugendhaft würden, so müssten viele Tausende verhungern.

Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, liegt das allemal am Buch?

Wenn eine Betschwester einen Betbruder heiratet, so gibt das nicht allemal ein betendes Ehepaar.

Wir fressen einander nicht, wir schlachten uns bloß.

Wir, der Schwanz der Welt, wissen nicht, was der Kopf vorhat.

Zweifel muss nichts weiter sein als Wachsamkeit, sonst kann er gefährlich werden.

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